Hoffe. Gesamte Mannschaft. Heute, Herr Schoß!
Als ob der Tag nicht auch ohne ihn grottenschlecht anfangen könnte, kommt, um all dem noch eins draufzusetzen sozusagen, zusätzlich Dr. Briskoll in seinem grünlich flatternden Halbjackett die Kellertreppen hochgestolpert und brüllt aus Leibesbrunst:"Schmitz! Er hat es tatsächlich geschafft. Der Ambramertradinger kriegt ihn!" Ja gut. Das kann man verstehen oder nicht, schwierig wird's auf jeden Fall, meine Dam, meine Herrn, wenn man wie ich in einem schäumenden Schwall von sputumähnlicher Sprühspucke steht, fassungslos, schon fast verquollen im Prinzip und solch Getöse über sich hereinbrechen lassen muß, ob man nun mag oder nicht. So außer ihm habe ich den Briskoll noch selten gesehen in den letzten Stunden.
Ich ahne zwar, worauf er hinauswill (Geld leihen, möglichst viel, möglichst auf einmal), aber die Umstände bleiben mir in nahezu signifikanter Weise unübersichlich, nachfragen lohnt erfahrungsgemäß kaum, Briskoll brüllt sowieso immer aufforderungsarm weiter. "Erster Preis beim Fischangeln und alles, gestern in der Nacht, heut Nacht, oder heut N8, wie man jetzt schreibt, CU unten beim Ufer, jederzeit!" tropft und sprüht er jetzt und sticht mir mit den Zeigefingern in den Bauchraum zwischen die Milz, tief hinein, es schmerzt mir nicht, ist das bedenklich? "Man kann's noch garnicht fassen. Mit Sprengungen oder sowas, alles voll Laich, aber komplett abgeräumt. Die andern haben keine Chance gehabt. Erlberberbrecht hat noch vier Hechte aus dem Schlick gezerrt gegen Mitternacht - halbdunkel wars ja schon, der Mond aus - aber keine Chance. Ambramertradinger hat hat einen ganzen Ster aufgeschichtet, so schnell konnten die Preisrichter garnicht das Fett abkochen! Unglaublich. 460!!! Weißt Du, was das heißt, Schmitz? Der kriegt den FISHCAR™ für Angeln dies Jahr! Hammer ist das. Hammer, Schmitz, hammerhart. Hammer. Hammer. Hammer Sekt? Piccolo? Ich hol was!!" Mir ist ja dieses ganze Angelgewese sowieso vollkommen egal, Wurst eigentlich fast, Fischwurst, seit's meine frühere Mutter mal durch einen Außenbordmotor gequirlt hat, also nicht durch den Motor, eher so durch diese Flügelchen da hinten, die drehbaren, was ja schließlich dann den Abschluß meiner Karriere als Vollwaise bilden sollte, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt und mag nicht hierher gehören, zumindest nicht zur Unzeit. Langer Rede kurzer Sinn: Ambramertradinger hat scheinbar den OSCAR™ fürs Fischangeln gewonnen (wen juckt's eigentlich?) und Briskoll wird sich am "Umtrunk" beteiligen mögen, wozu Kapitalien notwendig werden, Finanzmittel erheblichen Umfangs, wie immer, und die, so wie üblich nicht vorhanden, direkt vom Schmitz gezapft werden sollen.
Aber da ist er bei mir natürlich exakt am Richtigen! "Briskoll, Saftsack, da sind Sie beim mir aber exakt am Richtigen, Du Saftsack - und das auch noch am frühen Mittwochmorgen vor jeglichem Umtrunk!"
"Schmitz, Sie sind ein guuuter Mann!" sprudelt er freudig, steckt sich meinen lahmhändigen Fuffi extrem tief in die Tasche und springt über die Straße, wo mittlerweile Ambramertradinger mit aufheulendem Gaspedal bei aussem Motor, mich impressionieren wollend, stark herumschwadroniert und mit seinem Grinskopf unter dem automobilesken Lederkäppchen wackelt wie der Expapst, och unser neuer ja auch bald, der allerdings mit Linnenkäpplein, rein und weiß wie Kuhseide, das wollen wir bei allem Unbehagen nie vergessen, niemals, nimmermehr! Mei! Halleljua!, und plötzlich in einer Wolke aus rasant hochgeschleuderten Urinalsteinen (Himbeer, vorhin von einer 747 der Singapore Airlines in den Vorgarten gepfeffert, ich bob vor Zorn, ergebnisarm allerdings) schließlich harsch davonrast, gleich nachdem sich Briskoll über die Reling geschwungen hat und im vorderen Stauraum verschwunden ist. In wenigen Stunden schon sehe ich nur noch die glühenden Heckstrahler des FISHCAR™S in der baldigen Abendsonne funkeln. Und lege mich wieder darnieder. Tage wie dieser, bei aller Beschaulichkeit, fallen doch etwas aus dem Ruder. Das ist fast schon Sekierertum, was die Herrn mit mir treiben im späten Frühlicht. Dazu mag man stehen, wie man kann. Ich jedenfalls nicht. Aus.
Stimme nun noch eine Lesung aus einer ganzen Serie von Substitutionslesungen. Deshalb auch hier der Titel:
...und hier die photographische Aufnahme dazu:
...und da die saulange Lesung (aber guuuut!):
Na? Cara?
Daß es nun zu immer weiteren und neuen Substitutionslesungen kommt, das liegt einerseits an Frl. Dir. Cara aus der Abtlg. Grundwortschatz, (da wär ich selbsttätig nie drauf gekommen!) , andererseits eben an einer ebenso bedauerlichen wie hastigheftigen Entwicklung in Herrn Hyperkarasektionsleiter UniversalSchossens Gesundheit im stimmlichen Generalbereich, die gottlob in der heutigen Lesung kurz erklärt werden kann. Egal jetzt. Ran.
Nr. 2: Friedrich Schottenkegels Vierzigster
Und hier ist das Bild dazu:
Und hier ist die Lesung dazu:
Tja. Nu isses raus: Herrn Dir. GrandioSchoß' Stimme ist in aller Stille verstorben und damit die Lesung im KURSHAUS GINSHEIM an der Knatter. Wat nu?
Pah. Null Problem. Machmer Ersatzlesungen sonder Zahl. Eintritt ist ja schon kassiert.
Bittä:
Nr. 1 (wie immer) : Der Fußgängerzonenmann
Herzlixt: Schmitz
Nun ist es also raus: Grand Cru Salbader Dir. OberSchoß wird sich (nach der Lesung am Samstag im Kurmittelhaus Ginzbach, Perlator des Nirgendwo, vielleicht kommt sogar der grosse Meister Fil und bringt uns was Feines mit, siehe Bildchen, wer weiss??
) selbständig machen mit einem kleinen, aber unerheblichen Rhönrad-Blog, angelehnt an eine frühe Erfindung von Birgolt Ambramertrater - man erinnert sich: das waren diese wunderbaren, metallischglänzenden Rhönräder aus Vollholz mit Naben aus Biomaterialien, die um und um kreiselten ohne Ende, bis sie schließlich mit leisem Scheppern in den weit aufgestellten nächtlichen Gullis verschwanden. Eine schöne Zeit für uns Rhönradfahrer und doppelt toll, daß Sprachgroßlaborant Schoß diese schöne Tradition nun unter dem Motto "Schillernder Wahnsinn in der Provinz" virtuell weiter und - wie alles - nahezu ad absurdum führen wird. Man darf gespannt bleiben.
'Türlich sind Kommentare erwünscht. Weiß garnicht, was Ihr habt?!
...unsere tägliche POSTKARTE zum Ausschneiden:
SchnippSchnapp - und wohlfühlen! Prost!
[Den Medien zufolge brauchen wir's!]
Lautsprecher an! Sackzement! SCHOSS'N'SCHMITZ - LESUNG!!!
Vielleicht ein wenig sinnvoll soll angeblich sein, daß man hier nochmal und nochmal erwähnt: die Lesung
im KURSHAUS GINSHEIM kostet keinen Eintritt, ist kostenlos und gilt weithin als GRATIS, bzw. völlig kostenfrei, was den Eintritt betrifft oder evtl. Gebühren, die man andernorts zu entrichten hat, wenn man Leistugen in Anspruch
nimmt wie Konzerte, Autoreparaturen, Sexualität, Lesungen usw. usf.. Leistungen werden hier insofern ja auch nicht geboten, als die Herren Schoß und besonders Schmitz ja... in dem Sinne... keinerlei Leist...
Gut. Aber man kann selbstverständlich Weine usw. käuflich erwerben (für den Eigenbedarf oder teilweise auch en gros, falls Herr Großweinmeister Dir. Cordier zugegen ist). Nur der Eintritt ist leider FREI, kostet also nicht zusätzlich zu den evtl. konsumierten Getränken noch was. Garnichts kostet die nämlich, die Lesung. Just for phun.
Man muß kaum ganz über unsere Straße schreiten, die sich übrigens weitläufig an die umliegenden Besitztümer schmiegt, egal was innendrin vorgehen mag im irisierenden Schein der Damenkörper vor sich blähenden Badezimmerrollos, dann erreicht man pfeilschnell die in stetem Halblicht sich verlierende Gasse, Schild da oben - und da drin wohnt dann, gleich am Anfang, nach etwa 500 Metern steil bergan, bzw. ab, Birgolt Ambramertrater, der Erfinder solch waghalsiger Singularitäten wie den kufenlosen Selbstfahr-Hundeschlitten oder, fast noch niederstreckender, den streifenfreien Glanz für Kinderaugen. Birgolt zu besuchen und das Zusammensein mit diesem einerseits so gastfreundlichen, andererseits auch lagerfeldesken, hochläufigen Manne hat stets etwas Aufhellendes, Fanales, fast möchte man sagen, Neuronalblitzhaftes im eigenen Synapsensystem zur Folge, kometengleich durch den Verstand lodernde Leuchtfeuer aus Teufelnochwas brechen sich Bahnen im ebenso leichtfertig wie ganz arg oft so genannten Verstand. Wunderbar. Und gratis das alles. Das kommt ja unserer Geizgesellschaft stark entgegen, überfährt sie fast wie ein lichtloser Gegenzug ohne Tunnelummantelung. Wobei, wie mir diesbezüglich grade durch den Kopf fährt, während ich, bereits wieder heimgekehrt, die Gazetten durchforste, Lady Di, dieses sanfte Wunder an Gedenkenerzeugung, ja durch den Alkoholismus männlicher Prägung sterben mußte. Das steht jetzt mal ganz fest, fertig!
Jedenfalls gestern am frühen Abend, längst war der Mond schon wieder untergegangen, ganz hinten natürlich wieder, fast unsichtbar hinter den einstmals prallgefüllten Hasenställen, saßen wir nach Tagen mal endlich wieder zusammen: Briskoll, Ambramertrater, seine verstorbene Frau Mama in ihrem Acrylglashumidor und ich selbst, nur noch als Schatten desselben natürlich, dem Reduktionswahn geschuldet, aber egal, und wir aßen und tranken und feierten die ganze verbleibende Nacht hindurch mit nichts anderem als gehaltvollen Worten, überbordenden Sprachschätzen gleich und süffigst dargebotenen kleinen Nachbarschaftsverleumdungen, hastig zerkauten Weltvisionen aus mulmigen Phrasen und dem üblichen dummen Geschwätz überalterter Tolldreister.
Das alles wäre an sich nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht im Zuge unserer inhaltsneutralen Besprechungen plötzlich ein Thema dampfend auf dem Tisch gelegen hätte, an dem wir auch mit größtem Zagen nicht vorbeikamen: die Klimaerwärmung (nach Hellinger). Auch Klimaaufstellung (nach Hellinger) genannt, oder einfach Klimakrais. Ambramertrater hat ja für sich die Klimakatastrophe komplett gelöst - super! - ganz einfach durch Eliminierung des K (wie er es bezeichnet). Dadurch läßt sich die seiner Meinung nach ohnehin nur peripher wirksame Geschichte locker komplett auf ein verhältnismäßig kleines und minderbedeutendes südamerikaniches Land beschränken und sogar dort nur auf einen einzelnen Wohnort, wird also im Prinzip, was sie immer schon war: scheißegal. Klasse das! Ambramertrater ist wirklich ein großer Federführender, das ist sowas von fraglos, nicht nur, was Lima betrifft. Da gibt es ja ohnehin längst bunte Plaketten fürs Auto, die den ganzen Scheißdreck vermeiden. Kann man auch selber drucken mit einem Farblaser, null Problem. Und ein Genuß, seinen Ausführungen zu folgen oder (noch wesentlich aufhellender, gleißend allemal!!) garnicht.
Also die Gasse da oben: unbedingt merken, meine Dam, Herrn! Wer mich besuchen kommt in den träumenden Gauen hier: erst mal abbiegen zu Birgolt und der in seinem (köstlich auch: hinter dem Wohn- und Geschäftshaus angeordneten) Vorgarten zur Schau gestellten Sammlung luftgetrockneter Feldwege aus Biomaterialien, die er an langen Leinen vor den hinteren Werkstattfenstern aufgehängt hat, um die Abluft widerstandsfrei zirkulieren zu lassen. Sieht fast aus wie das obere, stark ansteigende Tibet. Aber dort sind die Feldwege fast winzig zu nennen, staubtrocken oft ja sogar von Natur aus und mitnichten regenfeucht und schlammig wie bei uns [Feldspat, Quarz und Glümmer, die vergeß' ich nümmer!] und werden auch eher flitternden Gebetsfähnlein gleich in den Monsun, oder was man dort so hat als Windersatz, gehängt. Das hat halt der Dalai dem Papst ja meilenweit voraus. Diesen luftgetrockneten Humor und alles andere. Prima.