Im Pappkarton quer zu Tal
[E.S.] Die geneigte Leserschaft wird's zu schätzen wissen, jetzt, wo sich bei Herrn 500 mit dem Auftauchen des Hüstlers bereits der Sommer zur rückwärtigen Tür hinausbugsiert, um pfeilgrad einem verlotterten Herbst mit seinem Ungemach Platz zu gewähren, da fährt mir, mitten im Geschreibe, ein Telefonanruf in die Lameng. Sackzement, muß ich da jetzt schon rufen, noch vor dem Anfang. Na, das kann was werden.
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Muß so Anfang der Achtziger Jahre gewesen sein, als ich beim "Täschchen-Cromer" und seinen drei Großbuchstaben in München dafür zuständig war, daß ein paar durchgeknallte Edeldekorateure die Ausgestaltung der Schwabinger Ladenlokalitäten mit Scheißdreck feinster Art aus allem möglichen Krimskrams auf die Reihe brachten - hat ja aber auch nix mehr genutzt.
Aber die Wochenenden mit der Schickeria auf den Almen! Im "Extrablatt" in der Leo(poldtsrasse) ging's los mit den ersten schweren Krachern on the rocks zum Anheizen und Gucken und Checken. Und eines schönen Winters kamen ein paar Gastronauten auf die blitzgescheite Idee, einen Mätzedis Neoplanbus umrüsten zu lassen auf schicken Trinker- und Schnuppertransporter in Pinkplüsch für jeweils 30-40 Leutchen bis hoch zum Edelhüttenwirt, beschwingtes "Schifoarn mit die Madeln" halt, all inclusive, manchmal auch mit den Speider Mörfis. Mei. Die paar Artifizial- und Realschönheiten, die sich nicht gleich schon vor der Abfahrt die Näschen überpudert hatten und ziellos grinsend auf dem Bürgersteig herumirrten, waren oft dermaßen über den Jordan, bis man oben war, daß ihnen "der Dömchen" aus der Nase troff und Spuren in den Salzrand der Zitronenscheibentequilas auf der Oberlippe fraß. Alles was am Berg noch mit eigener Kraft aus dem Bus stolpern konnte und sich nicht gleich final in den Schneewehen verfing, eierte in die Hütte, um mit dem "Sporteln" anzufangen. Nun war's ja nicht so, daß die beflügelten Herrschaften große Ski-Asse waren oder sich gar noch erinnern konnten, wie man sich mit den riesigen Klötzen an den Füßen oder auch mal obenrum auf fast unsichtbar schmalen und vielzählig durcheinandervibrierenden farbigen Leisten festzuschnallen hatte, das nicht. Aber gläserschwingend und in weiten Bahnen Schampus verkleckernd epileptische Salsafiguren in den Schnee rühren, das konnte man noch eine ganze Zeitlang, bevor die Nebel sich gnädig über Berg und Tal senkten.
Unvergesslich, wie mir mal ein heutzutage als handtaschenlederhäutige Dame geschmähtes Schätzchen aus dem Geräteschuppen quiekend entgegengetorkelt kam, gefolgt von einem johlenden Herrn, der damals schon nur noch schwer als Berufsplayboy durchging, und beide zerrten sie einen riesigen leeren Pappkarton hinter sich her, offenbar mit dem Behuf, nach all der noch sichtbaren Freude im Schuppen nun auch noch jenen zu besteigen. Irgendwie gelang es ihnen, den Pappkameraden gerade mal so an die Abrißkante zur mittleren Abfahrt zu bugsieren und darin unter lauthalsen Yiihaa's und Hollarööö's Platz zu finden und beifallheischend so zu tun, als ob man frohlockend dem Tal entgegeneile.
Ich könnte heutnoch schwören, daß es ein stocknüchterner Fredl Fesl war, der aus dem Schatten der Zauberhütte trat, lässig auf das überdrehte Pärchen zuging und völlig wortlos und mit unübertrefflich eleganter Wucht dem Karton einen solch mörderischen Tritt versetzte, daß nicht nur die beiden Beseelten in seinem Innern übereinander her, sondern die ganze Riesenschachtel über die Kante kippte und verdammt rasch Talfahrt aufnahm. Die Schwerkraft innerhalb des sausenden Behältnisses musste außergewöhnliche Formen angenommen haben, denn den beiden sichtlich Bemühten war es trotz grotesker Bestrebungen nicht mehr möglich, auf die Beine zu kommen. Im Gegenteil: je mehr sie umeinander herumjonglierten, desto zackiger gings in allen Richtungen längs und quer und holterdipolter über den zischenden Glitzerschnee hinab und es gab kein Halten mehr: es stoben die Flocken nach Herzensbrunst! Irgendwann kam das fidele Gefährt hinter einer Kuppe außer Sicht und erst geraume Zeit später verschwand der kleiner werdende Punkt im Wäldchen längs der Piste und - zumindest ich - habe an diesem Tage nie mehr etwas von all dem gehört. Das mochte dem über die Felsengrate hereinbrechenden Jagertee geschuldet sein oder FranzXaver Kroetz, dies bleibe mal einfach dahingestellt.
Uschi oder Gunter oder wie auch immer die beiden Rasanten letztlich geheißen haben mögen sind mir jedenfalls hier in der Forensik als Lebewesen weder in vitro noch in vivo jemals wieder begenet, fast schade eigentlich, womöglich. Man wird doch wohl keine Androiden aus ihnen gemacht...das würde natürlich zumindest die Lederbespannung erklären... äh.. neinnein: hier also zunächst Entwarnung, das bleibt eine Geschichte unter vielen dem spontanen Vergessen geweihten, obwohl Dr. Briskoll im Hintergrund meines Getippes gerade eben behauptet, er habe in seiner Sammlung historischer Ganzkörperphotgraphien... na das lassen wir jetzt aber lieber mal sein, Herr Dr. Briskoll, hören Sie mich?
Und was ist das eigentlich für ein Sausen und Zischen von da oben her...
GuteGüte...asiat.....













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