[E.S.] Hätte man es nicht mit eigenen Ohren gehört, mit allen Sinnen verspürt - dann hätte es einen nicht durchwogt fast wie Lasagne mit Sahnesauce: tja. Aber der Reihe nach. Vielen Lesern dieses Blogs hier ist Herr Dr. Briskoll ja kein gänzlich Unbekannter. Gerade kürzlich wieder in eher weniger geschmeidig duldbarer Funktion als Headcrasher unserer Komplettelektronik in Erscheinung getreten, besticht Briskoll im Allgemeinen durch sein Gesamtgewese mehr als durch sein berühmtes Sperrholzjacket mit Perlmuttbespannung, aus dessen aufgetackerter Brusttasche neben dem typischen Refraktometer stets mindestens zwei Hände voller Kugelschreiber hängen. Aber das wissen wir ja. Was wir aber nicht wußten, bis gestern in den späten Abendstunden: Briskoll lebte viele Jahrzehnte lang im Mittelzentrum Brzeslava nahe dem fast 1.700 m hohen Burk Lavajlz (1.900m) in der südlichen Czisenje. Und zwar als direkter Nachbar der berühmten Operndiva Anni Neterbka, damals als junges Mädchen besser bekannt als Schbriczers Anni, das "Hasennestchen". Aber das gehört nicht hierher. Genausowenig wie die Tatsache, von der unsere Art von Forensik auch erst gestern in den noch späteren Abendstunden erfuhr, daß nämlich Briskoll in dieser ganzen Zeit in der Czisenje einem Hobby nachging, das es hierzluande fast garnicht mehr gibt, es ist nahezu inexistent geworden: Ölwechsel machen. Abend für Abend und an allen Wocheneden machte er Ölwechsel an seinem eigenen, manchmal sogar an den Autos der Nachbarn oder guter Bekannter. Unglaublich. Aber davon ein andermal sicherlich viel mehr, Herr Dir. Schoß hat ja bereits mehrfach nachfragen lassen.
Gestern nun so gegen 17 Uhr, fast war's Licht noch an, stand Briskoll mit seinem alten Fendt plötzlich im inneren Hinterhof, dem linken, dort wo die kleinen Süßwasserspender den ganzen Sommer über lustig vor sich hinpfiffen, als Schnee, Eis und harschgefrorener Regenguß das Land noch nicht ins Elend gestürzt hatten. Und heraus stieg, anmutig tänzelnd ein kleines rotglühendes Heiztäschlein schwingend: Anni Neterbka, Sackzement! Uns hat's fast die Schlittschuhe unterm Hintern weggezogen, so waren wir urplötzlich entzündet! Die Diva herself in flammend rotes Tuch gehüllt und schreiend wie ein Marder! Die Neterbka! Bei uns in der Forensik, sozusagen für einen Privatauftritt, eine Privataudienz fast gar! Unglaublich. Und dieses Geschrei! Briskoll umschwänzelte sie natürlich, berstend angefüllt mit Stolz und Galanterie, das Perlmuttjäcklein knarrend und mit quietschenden Scharnieren - wir waren allesamt wie gebannt vor Verblüffung und Hingabe.
Leider leider, und das ist ein wenig Schmand in der Butter dieses unvergleichlichen, fast unverbaubaren Abends: beide verschwanden umgehend im Nebeneingang hinter der zugefrosteten Pflanzforsythie (nach Jung, Adler gar) und wurden auch bis heute nicht mehr gesehen.
In uns andern aber klingt dieser unwirklich wunderbare, in eisiges Gestöber wie aus Schneekristallen sich hineinverstörende Auftritt lange noch nach, Monate und Wochen und, wer weiß? Für Jahre.
Übrigens wurde heute sehr früh, für manche der Mitarbeiter bereits kurz nach dem Aufstehen im Frost, dieses alte Schild aufgefunden, es lehnte an Briskolls Fendt und gemahnte die achtlos Vorübergleitenden. Woran? Da fragen Sie was. Da fragen Sie was.
Drücken Sie doch mal drauf. Nicht immer nur fragen: auch mal drücken.
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