16. Oktober 07

Bin ich zurück oder was?!

Tageaussachen[E.S.] Gute Güte: in einem Mätzedis 3Milliarden GLX Vollautomatix durch die herbstlichen Italo-Weinberge brettern und Melonen schneiden: das hat was! Wenn das unser lieber Dr. Briskoll miterleben hätte können - man hätte ihn fuxschwanzgleich in Streifen an der Antenne mitwedeln lassen wollen. Aber nein: der Herr mußte ja zuhause in der Forensik verweilen, ins Edafon verkrallt fast, angeblich wegen zu erwartender Notfälle in den Zwangs-Abteilungen Nuehmingen, Waibstadt oder bei der täglichen www.bierlieferung.de  - bittesehr! Dort allerdings ist nichts passiert. Gar nichts, jedenfalls nichts von Belang für Sie, Herr Briskoll, falls Sie dies lesen!

Ja, was soll man berichten von einem solch irrlichternen Urlaub? Man weiß nix mehr. Ich hatte ja Stephan Sulke dabei, allerdings auch sein Kalvier, wegen der Musik, und wir haben bereits Millimeter jenseits der Abfahrt, des Starts sozusagen, wonniglich tremoliert, allerdings in Moll, Stephan Sulke ist ja hauptsächlich Tragöde, wenn er nicht raucht, was ich ihm selbstverständlich  während der Wachphasen untersagen mußte, aus partiellärztlicher Sicht. Schön war das. In Innsbruck ging zwar schon das erste Fässlein Wein aus und kehrte hienieden auch nie wieder zurück, aber wir schufen Möglichkeiten. Bereits in Modena mußten wir dann vor ausverkauftem Haus genau aus diesem Grunde unser Konzert zu Ehren des verblichenen Großtenors Pavonarotti absagen, ließen es dann schließlich doch noch knapp auf eine Verhaftung ankommen, teils wegen nächtlicher Vorkommnisse im Garten der "Taverna Risti", teils weil ich Stephan vor einer Horde  reflexivsarkastisch gewordener Ferraristi-Dam  retten mußte, die ihm die Unterhosen über die Ohren ziehen wollten, "nur so", wie sie meinten, "aus Unlust!" Modena ist ein Drecksnest geworden. Aber Bozen hat die Trümmer abgekriegt. Ungerecht eigentlich. So ist Italien halt. The best buy first, wie der Angelsachse spricht, die Pest stirbt nie.

Florenz ging dann komplett unter, wie immer. Mir schien, ich hätte Herrn Maestro Hammersteyn in der Krypta meiner geliebten Santa Croce gesehen, aber es war wohl nur der verwischende Schemen eines Bauhüttengeistes (45 Vol%). Und damit begann auch das eigentliche Unglück, das ich kurzfassen mag, kurz genug jedenfalls, um nicht hernach noch in Tränen zu zerspritzen. Stephan wollte seinen Flügel, ab 11 Uhr morgens wurde aus dem abgewetzten Kalvier durch Übersprungshandlungen (32 Vol%) nämlich meist  ein tiefschwarzer Steinway aus Vollholzimitat, und sauschwer dazu(!), in die Damtoilette der Uffizien schaffen, wo er sich dann zigarettenschwingend und schwerstmelancholisierend drüberlehnen wollte und "Uschi mach keen Kwatsch" hauchen - aber die haben ja montags Ruhetag, was ich klammheimlich übermäßig stark begrüsste. Wir verfügten uns dann im flammenden Furor der Morgensonnen zwar Richtung Herrn Di Balustrados segensreicher Schankwirtschaft im Schatten der Bibliothek, ständig dieses bescheuerte aber gottlob wieder zum Kalvier geschrumpfte Geflügel auf dem schwankenden Hubwagen (im Bahnhof geklaut!!) hinter uns herzerrend und da passierte das wirklich Entsetzliche. Das Allerallerentsetzlichste! Wieviele Stunden, Tage, Wochen und Wasweißichnoche habe ich schon im Schatten von Di Balustrados Straßenrandbüschlein giftgrüne Maitais aufgesogen und im Zuge der dadurch begründeten Vitalisierungen Bände voller Neutralprosa ins Nirwana zerfaselt: Pächterwechsel! Pächterwechsel! Di Balustrado gibt's nicht mehr. Mai Tai? Scusi, Signore, MaThei? Mataxi? Metexas? Habens wirs nix auf Carta. Campari per favore? Ja Scheißdreck, per Favore! Ohrfeige oder was? Wo ist der Balustrado? Was? Balestero, Signore, scusi? Leckarsch, Spaghetti, was ist hier los? Und Erdnüsse gibt's auch nicht mehr? Porco dio cane! Santo Benedetto, Hundesohn!

Das war dann so ziemlich das Ende der Spaßgesellschaft. Der Rest ging mehr oder weniger unter in tragischen Gesängen, Lamentos, trostleer hinuntergespülten Carpaccios und öltriefenden Fischgerichten aus heilbuttähnlichen angeblichen Fangprodukten, oft mit Oliven angefüllt und mit Parmigiano überstreuselt - aber das half ja nix mehr. Florenz ist praktisch tot. Und die Buckel und Gräben ringsum, ja lieber Gott, alles voller Spitzbäume, Pinien, Oliven und Schrottwein aus Wasserperlen - das gibt's auch in Österreich. Wah!

Florentinischenaechte

Urlaub? Urlaub ist hier: bei den Wirren in den Blogs. Da muß der zentnerschwere Fachmann bleiben. Nicht drunten bei den südlichwuseligen Hagerländern mit ihren Sixpacks von Bauch und anschattierten metrosexuellen Dreitagebärten, aus denen ekelsüßes Ferraristigesülze trieft. Pah!

Sackzement. Schön, wieder hier zu sein!

20. Juni 07

Toskana für Weggeschrittene, Teil I

Toskana_reporte[E.S.] Selbstverständlich haben spontane Betriebsauflüge der Forensik immer ihre höchsteigene Brisanz. Das muss aber im Vorfeld bereits klar sein, sonst federt man sperlingsleicht ruckzuck über sämtliche Grenzen des sogen. Verstandes und kehrt so bald auch nicht mehr zurück.

Briskoll übernahm von Anfang an das Steuer unseres mit frontalroten Wolfram- und Titanplatten vor Flugrost geschützten Mercedes Primawagen 3hunderfuffzig Kupeh und wir blubberten bereits nach einigen Stunden Verspätung mehr oder minder flüssig hinweg. Das liest man ja unten.
Als ich zum ersten Mal aufwachte (Danke, Herr Schoss, Sie hattens perfetto erfasst, es war ein sensationeller Scheißdreck!!!), war es bereitsTossikoeln Köln Stadtmitte und insgesamt eigentlich praktisch zu spät für den tiefen Süden und überhaupt für fast alles...

Viele, viele Stunden später, wir karriolten immerhin doch noch auf das allseits rotierende Autobahnungeheuer Bologna zu und hatten sozusagen permanent die Pest an Bord, da begab es sich, daß Herr Dr. Briskoll in nächster Nachbarschaft unseres Fahrzeugs die Raumstation ISS (mit angedoktertem Schattel), knapp gefolgt von der hellerleuchteten MIR halblinks an uns vorüberziehen sah und durch Aufreißen der Beifahrertür eine Kollision gerade noch rechtzeitig vereitelte.

Es versteht sich natürlich in Anbetracht all dieser Tatsachen nahezu wie von selbst: wir kamen erst einen Abend zu spät in der Nähe von Florenz an, und zwar zunächst  in einer versehentlichen Autobahnausfahrt, die letztlich tief in einem Strickerei-Hinterhof von Prato versickerte, aber immerhin: es gab direkt daneben Herrn Oleg  Szarkow mit seiner kleinen  Branntwein-Vinothek  "Ballabene-Rosticceria" - den wir mit allerlei  Grundsätzlichem, seine Existenz und mehr betreffend,  beglücken durften. Wir überließen ihm zum schmerzvollen Abschied einen Großteil der nicht für Raffinerieprodukte verwendeten Barschaft Briskolls.

Immerhin: es gibt bereits einen wunderbaren Bericht aus Florenz. Besonders FrauDr.vonWelt sollte ihn sich gemächlich vorlesen lassen. Man findet den bei

Freunden des Wahnsinns

und das spart hier jede Menge Platz.

Der nächste Teil folgt, wenn wir wieder können. Falls. Nur falls.

El Ettore

04. Februar 07

Frau Kumpf bricht ein

Wettessen[E.S.] Das war wieder typisch Frau Kumpf, heut früh! Dr. Briskoll und ich stehen, in ein schwieriges, fast schwerwiegendes Herrengespräch vertieft, haarscharf neben dem Gehweg, als Frau Kumpf mit weit ausholenden Lenkbewegungen ihren Astra neben uns einpegelt. Zefix, denke ich noch ganz kurz und prägnant und auch Briskoll sieht einen Moment lang so aus, als ob er sich brüskiert fühlen möchte, Zefix, denke ich, das war knapp, Miss Kumpf! Das hätte auch ins Aus gehen können, dieses Parkierungsmanöver. Damit aber mitnichten genug, stößt sie die Türe auf gleitet sanft ächzend wie eine zweihundertsiebzig Pfund schwere Boa (Konstrukta? Kontributor? Ich weiß nicht, eine fette Riesenschlange halt aus dem Kongo oder mindestens Senegal) um den Türholm und  in den Rinnstein. Und das alles in einer direkt schon solch eleganten Komplettbewegung, daß es fast  wieder bewundernswert ist.

Dr. Briskoll, der zwar irgendwas eher Wirtschaftliches studiert hat, oder Biologie, was weiß denn ich, ist aber dank seines Titels doch fast schon sowas wie ein Arzt und stürzt umgehend neben der Kumpf aufs Knie und klopft ihr begütigend auf Schulter, Wangen und Halsansatz. Nein, nein, sie hätte zwar nichts, entringt sich ihr ein Stöhnen, aber sie wäre trotzdem fix und alle. Man möge sich vorstellen: ein Diät-Wett-Essen im Freundeskreis habe sie für sich entschieden! Mit ausschließlich Weight-Watcher-Zeug! Mehr als die Hälfte weniger Kalorienpunkte bei zehnfachem Volumen an einem einzigen Vormittag  hätte sie eingenommen und hätte dadurch insgesamt noch weit besser abgeschnitten als Karin Freischütz von der Beckenbodengruppe.   Die Freischütz! Die dumme, dürre Bulimi-Kuh!

Na ja, mir entzieht sich ja ohnehin der Sinn dieser Diät-Wett-Essen, aber ich muß sagen, daß ich doch verblüfft einen Schritt beseite treten mußte, als sie dann  noch schnell anfing, sich mit einem röhrenden, weit streuenden Strahl über den kompletten Dr. Briskoll zu übergeben.

Das hätte mir grade noch gefehlt am Sonntagmorgen mit dem fast noch nagelneuen Kittel an. Nönö, dann lieber ein paar Kilo zuviel auf der Waage, meine Dam und Herrn, alles was recht ist.  Ich bin dann auch gleich heimgegangen. Diät-Wett-Essen. Pffff.