[E.S.] Es verwundert kaum, daß das Wochenende für viele noch lebende Menschen der Neuzeit mehr und mehr zu einem Alptraum entweder aus völlig überkandidelten Zwangsablenkungen (Besuch alkoholhaltiger Einrichtungen, Transport von Kindergeplärre nebst Schokoladenfettflecken quer durch teils mehrere Bundesländer) gerät oder aber neuronalneutrales Abgleiten in sofaeske TV-Depressionen bewirkt: alles Dinge, die sich dann am späten Montagmorgen in unseren nichtforensischen Abteilungen wiederfinden und über Zugluft oder eingebildeten Morbus Bechterew klagen. Kennen und betrauern wir ja alle.
Ich empfehle daher den Menschen um mich herum, zumeist ja alternde Damen und Herren in Kleidungsstücken weit jenseits von Vergleichswerten, gerne meine Tipps für Leute. Gerade an Wochenenden werden ja auch diese sehr gerne genommen, teils weil man persönlichen Mangel an Mancherlei verspürt, teils weil dieser einem massiv eingeredet wird von einem Umfeld, das seine Befriedigung in hohem Maße aus völlig unnötigem Herumgewusel und Zeitschinderei ohne ernsthafte Reflektion bezieht.
Es gibt ja Menschen, die besuchen noch heute, zu Beginn der vielen und langanhaltenden 21. Jahrhunderte Buch- und Zeitschriftenläden, oft sogar in Fußgängerzonen oder
Bahnankunfstbereichen gelegen, teilweise noch vor 10 Uhr in der Samstagfrüh, um sich einzudecken mit Tabakwaren (Marlboro Light, Villiger Kiel, Overstolz Paderborn et.al.), um hernach zunächst beschwingt den Fischgeschäften zuzuwandeln, woselbst noch kleine Reste an Esswaren aus Flüssigbereichen (Matjesfilets, Schillerlocken, Heringstörtchen, vielleicht Barschtofu?) zusammengehortet werden und dann wird schnurstracks, die triefende Fracht schlenkernd, mit der Seilbahn oder dem kleinen, dreirädrigen Ziegenkarren wieder der Heimstatt zugestrebt, nicht ohne natürlich links und rechts des Weges kleine goldene Glöcklein anzuschlagen oder den untoten Dichtern in ihren Geigenkästen aus Pappmachée-Imitat den einen oder anderen Gutschein auf die Manuskripte zu träufeln. Das halte ich aber für einen degoutanten Tipp. Ich empfinde das sogar als entwürdigend für das betreffende Personal längs der Chausseen, aber egal.
Schöner, aber auch schnöder wird es, wenn man, anstelle eines morgendlichen Schlummertrunks aus Bransch mit Prosekko im Foyer oder im Aufzug des Kettenhotels "Nimbus im Elften" einfach mal alle Neune grade sein läßt und sich, vielleicht jeweils entweder mit einem Herrn oder einer Dame seiner Wahl untergehakt, oder einem mittelkleinen Tier oder einem Karton mit Moos einfach so über die Grünanlagen treiben und schweben lässt. Grünanlagen sind ja gottseisgepfiffen nicht nur auf das städtische Umfeld begrenzt, mittlerweile werden sie auch in den großen ländlichen Bereichen längs der Autobahnen oder zwischen Mischwäldern ausgelegt und sorgen, dort natürlich nur, wo sie bereits vorhanden sind, für entsprechend schönes Ambiente. Und dort halt - und das ist nur einer meiner vielen Tipps - ist sehr schön ein wenig rasten und sich dabei fast bildgleich vorstellen, man sei garnicht man selbst, sondern ein wertvoller Teil all dessen, was man sich als Kind schon immer erträumt hatte, bevor man dann dem sicheren Ableben entgegenzustreben sich in Bewegung setzte. Nö, ist nur ein Tipp.
Einer von vielen am suizdstarken Wochenende. Ich finde: sie haben alle was, auch wenn man das nie genau ergründen kann! Herr Terry Pratchett, der jetzt auch im für ihn eigentlich unnötigen
Fahrtwind der Potter-Bände (ich dachte bislang, daß da etwas viel Gewese gemacht wird um einen Spezialdrucker, stellen Sie sich das mal vor, wie peinlich ist das denn, wenn einen die Tochter deshalb mit aufgerissenen Augen praktisch mißachtet!) über Junghexen schreibt und dortselbst, innerhalb dieses Schreibens, immer wieder von einem gewissen "Wirrwarr" schwärmt, das in den Taschen keines Hexenmantels fehlen sollte und aus allerlei kleinem Unrat wie Zweiglein, Feuerhölzern, Murmeln aus Glas, Horn oder Dung, Katzengewölle und Seidenfäden, paar Nägeln vielleicht noch, besteht und aus dem in Mirnichtsdirnichts ebendieses zaubrisch wirkende "Wirrwarr" zusammenzuknüpfen ist, mit dem man dann allenthalben gewisse Situationen sozusagen ruckzuck wieder , also wenn man da dann praktisch ziemlich sicher obsiegt über so eine Situation. Pratchett halt. Kann man ja sonntags auch mal. Als Tipp.
Und jetzt nicht nach oben sehen und bitte etwas zur Seite treten (immer wichtig bei Flugverkehr) - ZACK! Na, wer sagt's denn.
Freude!
Ihr
Ettore Schmitz
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