Ober der Unterfläche
[E.S.] Das ist praktisch wie Gratis-Lebenszeit, nichwahr, so ein heißer Tag, den man mit lieben Mitmenschen am Teich verbringen darf. Teilweise sogar drin.
Das kam ja heute von der Umdrehung der Erde um das Zentralgestirn, ganz klar: da ging's ab wie buchstäblich Schmitz Katz, das hätte man nicht vermuten mögen zur Aufstehzeit Nullnullsechsnull, als alles noch offen war, außer der Grenze zu Sürien. Ich schlendere an solchen Tagen ja gerne quer über den Rasen schräg zum Teich hin, manchmal auch schon frühmorgens, nachdem die Tiere versorgt sind und auch sonst alles egal ist, und dann lasse ich dortselbst, am Teich, um den Teich rum quasi, in den angrenzenden Büschen, Rasenflächen, Fliederschonungen, überhaupt halt überall alles so laufen, wie es nun mal will, im Weltengefüge und drüber hinaus. Das tut sehr gut und entlastet das Gesamtgemenge auf das Feinste. Die Leute haben es gern. Unaspiriertes Getue.
So eben auch heute, kurz bevor Planeten und Sterne in ihrem hektischen Gewusel so richtig Vollgas gaben und wieder ihren ganzen angeblichen Klimawechselscheißdreck aufführten. Die lachen ja drüber - aber 's sind ja wir. Da ist alles lustig. Letztlich. (Auch über dieses Wort lachen sie sich kringelig.) Zurück zum Thema, wenn's belieben.
Dr. Briskoll stieß schon früh hinzu, allzufrüh eigentlich, wie mir schien: er hatte bereits ein Leuchten um sich wie sieben nackte Nonnen im Frühtau, will heissen, wenn Sie wissen, was ich meine: er kam von der Morgenvisite. Stippvisite eigentlich eher, am Kiosk draußen vor den Toren. Man kennt ja dieses leuchtende Geweih bei den Jägermeistern, die er dort angeblich oft trifft, natürlich hoffentlich nicht genau zwischen die Augen, solch platten Humor präferieren wir hier alle kaum, anfangs. Briskoll war auf Hundertachtzig wegen irgendwelcher politischer Dinge, die sich ihm in der Tageszeitung offenbart hatten. Bürgerbespitzelung durch geruchsfrische geheime Kriminalhunde, verschleierte Personen, die nach Deutschland einsickern und Maschendrahtbomben zerlegen unter heiligen Dämmen - all das Zeug eben, das aber kontrolliert werden muß. Und da irrt Briskoll nun aber womöglich wirklich in seiner Aversion: es muß ja alles kontrolliert werden, wer weiß, wann sonst was passiert sein könnte, bitteschön?!
Und als wir gerade so in die Diskussion darob zu versinken drohten, mit all ihren Hins und Wieders, rollte aus der nicht existenten Notfall-Ambulanz heraus ein schließlich beserkerhaft karriolendes Vehikulum und stürzte sich mit piepsenden Signalraketen und schleudernden Rotlichtern pfeilgrad in unseren Teich, offenbar um heftigste Rundum-Überwachung bemüht.
Aaachgott: Dr. Schoiple, der Gandenlose, Briskoll wurde aschfahl am ganzen Körper und rief mit zagender Stimme "Nö, oder?" hinterher, aber Schoiple konnte nichts mehr hören, zu tief war er schon in der Überwachung und zu widrig die Umstände, um noch auf uns, des Volkes sozusagendes Maul, zu hören: es musste ja alles kontrolliert werden, auch unter der Wasserstandslinie. Okay, ich muß zugeben, wir haben uns dann abgewendet, abgewandt fast, von dem Getöse - trotzdem blieb besonders nach dem Wiederauftauchen ein gewisser schaler Nachgeschmack. Denn wir wurden von Dr. Schoiple nach seinem Auftauchen belehrt, daß nunmehr auch die besonders von Briskoll, ich muß das jetzt einfach einmal zugeben, wie im Rausche befahrenen Engstellen in "Need for Speed II" (und anderen Rennsimulationen, oh je!) mit virtuellen Radarkontrollen bestückt werden, in aller gebotenen Zeitnähe, meine Herrn!!, selbstverständlich könne man dann aber die Strafzettel sofort online (auch mit Paypal!) begleichen, im Sinne bürgernaher Dienstleistung in Zeiten von Secondlife, man wüsste da ja aktuell Bescheid, auch über die anderen Schweinereien mit Kleinstavataren, Pfuideibel!, da denke man an Lynchverfolgung auch über die Monitorgrenzen hinaus, nichwahr, "mein Vietnam ist euer, Volk, verdammichnocheins, das stehen wir gemeinsam hindurch!". Nichwahr.
Ooch, was haben wir uns dann aber doch noch ins Gras gelegt und abgewartet, was der Tag wohl bringt, fast wie verrückt! Und, ehrlich gesagt, das machen wir jetzt noch. Man hat ja sonst nichts. Gottlob hat sich Briskoll wieder beruhigt, obwohl zwischendurch (typisch!) exakt neben unseren winzigkleinen aber doch letztlich genuggroßen Kräuterfläschlein ein Sack zutiefstgefrorener Pissoirsteine (Waldmeister!) ins Gras fetzte und uns ernsthaft an der Seriosität asiatischer Crews zweifeln ließ, die ihre Cockpitabfälle mittlerweile sogar schon vormittags über unserer Infrastruktur ausleeren. [Zur Beruhigung angemerkt: Quatsch! Mittlerweile war's bereits halb drei und unsere ersten Damen torkelten aus dem Nachtisch übers Feld, weithin Lachkrämpfe schüttelnd über unseren Anblick, so muß das!!]
Briskoll, dieser pragmatische Ignorant, hat die Dinger dann folgerichtig als Eiswürfel benutzt. Nö, die tiefgefrorenen. Nicht die kreischenden. Allerdings hatten wir ja keine Gläser, man kann sich also vorstellen... Auch nicht schlecht: stoned Jägerwaldmeister . Hat was.
[Nachtrag aufgrund offiziöser NachFRAGE: Nein. Wir rauchen nicht. Wir essen auch keine Kekse. Auch nicht intramuskulär- oder venös. Wir sind Literathurenliebhaber. Das isses!]














[E.S.] Schmissich , wie ich nun mal bin, schmissich mich heute nachmittag (jaja, unter dem Aufheulen der versammelten Germanisten) haarscharf neben den Gartenteich. Es war nichts anderes mehr möglich: innerhalb einer blogüberspannend dehnenden Zeitdilatation von nahezu einsteinschen Ausmassen hatte sich darin bereits eine weitere, eher
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